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MALKASTENFORUM DÜSSELDORF

fotografiert für Boss Bau Düsseldorf

Architekt: Thomas Beucker mit der Unterstützung von Schiffers Roelofs Architekten

Malkastenforum im Park

Text von Thomas Beucker Architekt + Stadtplaner BDA DWB

Im Jahr 1747, ein Jahrhundert vor der Gründung des Künstlerverein Malkasten, kauften die Eltern der Gebrüder Jacobi ein „Gütchen mit Haus“, vor den Stadttoren Düsseldorfs gelegen, dort wo wenige Jahre später das Schloss Jägerhof errichtet wurde. Die Brüder Johann Georg und Friedrich Heinrich Jacobi, Literaten und Philosophen, waren bekannt für ihre Gastfreundschaft. Bei ihnen trafen sich literarisch, politisch und insbesondere auch philosophisch interessierte Persönlichkeiten jener Zeit, unter ihnen Goethe, Diderot, Forster, Herder, Alexander und Wilhelm von Humboldt. So wurde dieser Ort zum Treffpunkt bedeutender Intellektueller mit einer Ausstrahlung weit über Düsseldorf hinaus. Georg Arnold Jacobi, Sohn von Friedrich Heinrich Jacobi, setzte im Dialog mit Künstlern die Tradition fort.

 

Am 6. August 1848 wurde der Künstlerverein Malkasten gegründet, der dann 1861 das Grundstück mit dem Haus der Familie Jacobi erwerben konnte. 1867 bauten die Künstler mit eigenem Kapital und in eigener Regie ihr Vereinshaus. In den Statuten des neu gegründeten Künstlerverein Malkasten wurde festgelegt, der Verein habe „keinen anderen Zweck als Interessen der Kunst und Künstler zu besprechen und zu fördern und sich gesellig zu unterhalten“. So wurde von Beginn an festgelegt, welche wichtige Funktion das Vereinshaus erfüllen sollte.

Auch die im Jahr 1921 errichteten Annexbauten sollten dem einst in den Statuten festgelegtem Zweck dienen. Der eingeschossige anspruchslose Bau an der langen Grenzmauer zu den Gärten der Nachbarn in der Malkastenstraße war mit Kegelbahn, Schankwirtschaft und Räumen für Requisiten ausdrücklich für die Geselligkeit geplant.

Im Krieg wurden 1943 die Annexbauten zerstört; 1952 baute man sie verändert wieder auf, mit Gastraum, Werkstatt und Räumen für Requisiten und Lager.

In den Räumlichkeiten der Annexbauten gründeten 1997 drei Künstler das Ausstellungsprojekt PARKHAUS. Unter der Ägide von K.H. Rummeny konnten dort Künstler:innen in einem etwa 55 qm großen Raum ihre Arbeiten in Eigenregie ausstellen. Das Ambiente im Malkastenpark wurde sehr geschätzt und förderte Künstlerkontakte.

Schon seit den 1990er Jahren beabsichtigte der Künstlerverein Malkasten anstelle der immer baufälliger werdenden Annexbauten einen Neubau zu errichten für Künstlerateliers oder Kunstausstellungen mit einem Treffpunkt für die Künstler:innen. Mit den Jahren war der Bau irreparabel baufällig geworden und teilweise einsturzgefährdet. Er stand nicht unter Denkmalschutz und so beschloss man, ihn abzureißen.

 

Anfang 2019 bat mich der Künstlerverein Malkasten um einen Vorschlag für den Entwurf eines Neubaus. Das Raumprogramm berücksichtigte die vielfältigen Erfahrungen des Künstlerverein Malkasten mit Ausstellungen in den alten Räumlichkeiten und im Malkastenpark. Besonders war die Forderung nach einer Ausstellungshalle zu berücksichtigen, in der bis zu 4 Meter hohe Bilder aufgehängt werden können. Neben dem „Kleinen Format“ sollte es in Zukunft zeitgemäße Präsentationen von Kunst mit Vorträgen und Diskussionen geben. Daneben war ein Kunstkabinett etwa mit der Fläche des früheren PARKHAUS vorgesehen, dazu ein Treffpunkt mit kleiner Aufwärmküche, einer Werkstatt und allen erforderlichen Nebenräumen. Der Entwurf sollte zudem eine adäquate Antwort geben auf den besonderen Standort im denkmalgeschützten Park mit dem Jacobihaus in unmittelbarer Nachbarschaft.

(...)

Die Architektur des Neubaus, der inzwischen die Bezeichnung Malkastenforum erhalten hatte, orientiert sich an den einfachen Formen und Materialien des denkmalgeschützten Jacobihauses und übernimmt baurechtliche Vorgaben aus der Höhenentwicklung der 3,60 Meter hohen Grenzmauer zur Malkasten Straße.

 

Der Zutritt vom Parkplatz vor dem Malkasten zum Eingangshof vor dem Jacobihaus und Neubau bleibt erhalten. Die große, alte Akazie markiert den Haupteingang zum Neubau gegenüber der Brücke zum Malkastenpark und dem Zugang zum Jacobihaus.

Vor der Grenzmauer erstreckt sich an Stelle der alten Annexbauten nun der neue eingeschossige Gebäudekomplex des Malkastenforum.

 

Der äußere Eindruck der Architektur wird bestimmt durch klare Kuben mit grauweiß geschlämmten Ziegeln. Knappe Details unterstreichen die bewusst zurückhaltende Architektur. Horizontale Fugen betonen den lagernden Charakter des langgestreckten Baukörpers. Teakfarbene Holzfenster geben den Rhythmus. Alle Decken sind mit massiven, lichtgrau gestrichenen Holzdielen ausgeführt. Die Flachdächer der Seitentrakte sind begrünt, der Zentralbau mit Pultdach zeigt glatte Dachpfannen im Schieferton. Dem Entwurf liegt das Maß der japanischen Tatami Matte zugrunde. Alle Maße am Bau sind davon abgeleitet und bilden ein harmonisches Ganzes. Selbst das Höhenmaß der langen alten Grenzmauer von 3,60 Meter fügt sich in das System. Ein Erschließungsgang entlang der roh belassenen alten Grenzmauer verbindet die Räume der drei Baukörper, von denen jeder unterschiedliche Nutzungsbereiche hat:

 

1.  Haupteingang mit Servicezone zu Ausstellungen und Versammlungen in der großen Ausstellungshalle, zum Treffpunkt Lounge mit kleiner Bar und Aufwärmküche, zum Skulpturenhof und zur Garderobe

2.  Großer Ausstellungsraum mit der Möglichkeit, bis zu 4 Meter hohe Bilder auszustellen. Der große Raum ist flexibel geeignet für Kunstaktionen, Vorträge mit bis zu 100 Sitzplätzen und Diskussionen. Beleuchtung und Elektroanschlüsse sind variabel zu nutzen bei unterschiedlichen Veranstaltungen mit modernen Medien. Sie ermöglichen in Zukunft Präsentationen von zeitgemäßen Ausstellungen. In einem offenen Skulpturenhof können große und kleine Skulpturen gesichert ausgestellt werden.

3.  Zweiter Eingang mit Servicezone zu Ausstellungen und Versammlungen in der großen Ausstellungs-halle, zum Kabinett, zum Skulpturenhof und zur Garderobe, zur Werkstatt mit Lager, zum WC-Bereich mit Zugang von innen und von außen bei Veranstaltungen im Park

 

Die vor dem Neubau geplanten Freiflächen bieten Außenräume für weitere Nutzung im neuen Malkastenforum. Im Eingangshof vor dem großen Fenster der Ausstellungshalle und neben der Brücke zum Malkastenpark gibt es an Tischen und Bänken Platz für 80 Personen. Der Service erfolgt vom Treffpunkt aus dem Haus. Die Rasenfläche am Ufer der Düssel ergänzt die Ausstellungsfläche des großen Ausstellungsraums. Um zusätzliche Ausstellungsflächen im Haus zu erhalten, können leichte, mobile Wände im Gang vor die alte Grenzmauer gestellt werden. Damit ist auch eine Revision der Grenzmauer jederzeit möglich.

 

Das Malkastenforum mit den davor liegenden Freiflächen kann separat vom sonstigen Betrieb im Malkasten für Ausstellungen und Feste genutzt und bewirtschaftet werden.

(...)

Seit Sommer 2024 ist das Malkastenforum ein lebendiger Ort für die Kunst.

Der Text ist hier leicht gekürzt. Ursprünglich erschien er in der Publikation

MALKASTEN JETZT. 175 JAHRE KÜNSTLERVEREIN MALKASTEN

Herausgeber: Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf

 -> LINK ZUR PUBLIKATION

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